Das Handstand & Moral und die Subkultur in Corona-Times

Liebe Freund*innen des HaMo,

wir stellen angesichts der aktuellen Corona-Situation fest, dass viele Menschen in unserer Nähe neben ihren persönlichen Sorgen zu Recht auch vielfach auf gesellschaftliche „Begleiterscheinungen“ der Entwicklung hinweisen. Um nur ein paar Beispiele zu nennen: Auch schon vorher überaus prekäre Arbeitsbedingungen in der nun als lebenswichtig erkannten (und gerade hier vielfach von weiblicher Arbeit getragener) gesellschaftlichen Infrastruktur, andere dringende Problemlagen die nun aus den Blick geraten und – bei aller Legitimität die Schutzmaßnahmen haben – die Sorge vor den Mitteln des autoritären Staates, vor allem auch über die aktuelle Lage hinaus.

Wir empfinden es dabei als positiv, dass es in der öffentlichen Diskussion zumindest nicht komplett untergeht, dass auch viele Projekte, Orte, Unternehmen und Menschen in Bereichen von Kultur, Bildung, Austausch und Geselligkeit in große Schwierigkeiten geraten. Das betrifft u.a..: Kinos und Film, Theater und Konzertorte, Verlage und Buchhandlungen, Kneipen und, und, und. Das betrifft natürlich auch die Projekte und Orte unserer Subkultur in Leipzig. Aus unserer Perspektive haben wir natürlich vor allem die vielen kleinen, selbstorganisierten Läden im Blick, die z.B. Kulturveranstaltungen organisieren oder Raum für politische Arbeit bieten – so auch das Handstand & Moral.

Uns geht es wie auch vielen anderen Projekten so, dass wir dringend auf Spenden aus öffentlichen Veranstaltungen angewiesen sind, um unsere laufenden Kosten decken zu können, während es keine oder nur geringe Rücklagen gibt. Größere Unternehmen mögen mit staatlichen Krediten und Kurzarbeit etwas anfangen können. Wir als kleiner, ehrenamtlich arbeitender Verein sind zumindest skeptisch, dass wir mit einer unbürokratischen und nachhaltigen Unterstützung rechnen können. In dieser schwierigen Lage suchen wir im Plenum des Handstand & Moral nach Möglichkeiten, wie wir uns unter Projekten mit ähnlicher Arbeitsweise und Lage gegenseitig unterstützen können. Natürlich sind wir aber auch auf eure Solidarität als Gäste, Besucher*innen und Nutzer*innen unserer Strukturen angewiesen. Wir möchten euch bitten, darüber nachzudenken: Einige der Räume in denen ihr euch mit euren Gruppen trefft, ihr auf Konzerte oder Lesungen geht oder eine Ausstellung besucht, ein Bier oder eine Limo trinken geht, in denen ihr euch in der Nachbar*innenschaft organisiert, könnte es nicht mehr geben, wenn die Veranstaltungsverbote und -selbstbeschränkungen aufgehoben werden können.

Also: Wenn ihr gerade in der Lage seid, können wir eure Unterstützung sehr gut gebrauchen. In unserem Fall z.B. in Form einer (gerne auch kleinen aber regelmäßigen) Spende: https://anstandundmoral.wordpress.com/foerdern-funding-support/

Aber das gilt ausdrücklich nicht nur für uns! Viele andere kleine Projekte der Subkultur bieten Möglichkeiten der Förderung oder Mitgliedschaft, um sie in ihrer Arbeit, gerade jetzt, aber auch über die jetzige Situation hinaus, zu unterstützen und ihre Arbeit weiter möglich zu machen. Und auch wenn nicht: Sprecht die Leute in den Projekt- und Konzertläden, Kinos und Ausstellungsräumen in eurer Nachbar*innenschaft einfach an und fragt mal nach – denen fällt schon was ein, wie ihr helfen könnt, wenn es euch gerade möglich ist.

Wir machen nun im Handstand & Moral voraussichtlich bis Mitte Mai weder öffentliche Veranstaltungen, noch steht der Laden für nicht-öffentliche Nutzung zur Verfügung. Andererseits glauben wir, dass wir gerade jetzt versuchen sollten, unsere selbstorganisierten Strukturen wie auch unsere zwischenmenschlichen Beziehungen weiter in Schwung zu halten – und probieren uns mal im digitalen Plenum. Und natürlich sind wir auch weiter für euch per Mail erreichbar: kontakt@handstandundmoral.de

Bestes euch und bis bald,

Team HaMo

 

Ps: Sollte irgendein Lauch anfangen zu plärren: „Krankenhausbetten nur noch für Deutsche!“ – lasst uns aufmerksam sein, entschieden widersprechen und handeln.